Kaskade SCSH37

Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst

SCSH37

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Projektinfos

SCSH37 – Kaskade

Obsthof auf Finkenwerder

Im Zuge der Komplettsanierung eines historischen Obsthofes in Hamburg Finkenwerder sollte eine neue Treppenanlage die bisher ungenutzten Obergeschosse mit dem Erdgeschoss verbinden. Das idyllisch in einem Apfelfeld gelegene Reetdachhaus von 1888 wurde denkmalpflegerisch sensibel unter größtmöglicher Beibehaltung von historischer Bausubstanz renoviert.
Der bisherige Zugang zum Obergeschoss führte über eine Stiege mit fast 53 Grad Steigung unter einem Deckenbalken durch eine Klappluke nach oben.

In der neuen Situation sind nun die Kinderzimmer und Schlafräume der vierköpfigen Auftraggeber Familie im Obergeschoss angesiedelt und durch die neue Treppenöffnung an den großzügigen Wohn- und Essraum angebunden. Da die Auftraggeber über den Obergeschossräumen noch zwei Galerien geschaffen hatten, sollte die neue Treppenanlage alle vier Ebenen miteinander verbinden.

Der Weg zum Obergeschoß führt seitlich aus der ehemaligen Tenne über ein L-förmige, viertelgewendelte Treppe auf eine zentrale Verteilerfläche, die sämtliche Aufenthalts- und Sanitärräume erschließt. Von hier aus sollte ursprünglich die ertüchtigte Stiege aus dem Erdgeschoss zur ersten Galerieebene führen. Diese war jedoch für eine Wiederbenutzung zu marode und es musste eine neue Stiege gebaut werden. Die beiden Galerieebenen befinden sich über den Schlaf- und Kinderzimmern auf unterschiedlichen Höhenniveaus und sind mit einer Brücke miteinander verbunden, die mit einem Gitterrost belegt ist. Die Wangen und Absturzsicherungen sind aus ca. 40mm starkem, weiß beschichtetem Multiplex konstruiert und die Trittstufen sind aus massivem Eichenholz gebaut.

Die zum Luftraum hin orientierten Geländer sind mit der statisch maximal möglichen Öffnungsgröße versehen und mit eingespannten Netzen abgesichert. Ebenso sind in den horizontalen Flächen neben der Brücke zwischen den Galerieebenen Horizontalnetze als Absturzsicherung und Hängematte eingeflochten. Die Aussparungen der übrigen Absturzsicherungen folgen der Treppengeometrie und sind ca. 12cm hoch.

Die organisch anmutende Geometrie der Multiplexplatten definiert eine fließende Lauflinie übereinander liegender Treppen und Stegen, die sich piranesi-artig durch den Raum zieht. Der zentrale Luftraum mittig im Gebäude verbindet auch optisch alle Ebenen miteinander und große historische Innenfenster und Verglasungen bieten diagonale Blickachsen durch das Gebäude,die durch die transparenten Netze und Roste nicht eingeschränkt werden.

Sämtlich Ein- und Umbauten sind ohne Eingriffe in die historische Bestandskonstruktion erfolgt. Die Gestaltung fügt sich als zeitgenössisches Element selbstverständlich in den Kontext ein, ohne aufdringlich zu wirken.

Alle nicht direkt zur Treppenanlage gehörenden Elemente sind von den gestaltungsaffinen Bauherren eigenverantwortlich entworfen und umgesetzt. Besondere Erwähnung verdienen etliche historische Bauelemente wie z.B. die Sprossenfenster, die aus anderen Gebäuden stammend, hier eine neue Heimat gefunden haben.

Die Tischlerarbeiten für die Treppe stammen von der Zimmerei und Tischlerei Wittorf aus Norderstedt, die den Entwurf mit unvergleichlicher Hingabe und handwerklicher Expertise in die Wirklichkeit umgesetzt haben.

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